Plattensee im Ungarn-Lexikon

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Hört man etwas von Ungarn, denkt man sofort an den Plattensee, der ungarisch „Balaton"
heißt. Er liegt in Westungarn und ist neben dem Neusiedler See im Burgenland ein sehr
bedeutender Steppensee in Mitteleuropa. Zudem ist er der größte See in Mitteleuropa und das
mit einer Fläche von 594 km². Der Plattensee ist maximal 12,5 Meter tief, weshalb er im
Sommer durchaus 28 Grad Celsius warm werden kann. Aufgrund seines flachen Südufers
wird der Plattensee vor allem von Familien als Urlaubsdomizil bevorzugt. Der Plattensee ist
aber auch durch seinen Weinanbau und den Fischfang von sehr großer Bedeutung.
Südwestlich des Plattensees findet sich der Kis-Balaton, der für die Zufuhr des Plattensees mit
Frischwasser unentbehrlich ist. Zudem sind die Sumpfzonen und die Schilfregionen des Kis-
Balaton ein natürlicher Wasserfilter und geben vielen seltenen Pflanzen-, Reptilien- und
Vogelarten ein natürliches Zuhause. Ein Teil dieses Sumpfgebietes wurde in den 1920er
Jahren trockengelegt, was zur Folge hatte, dass ungeklärtes Schmutzwasser in den Plattensee
gelangen konnte. In der Folge begann der Plattensee zu veralgen und das biologische
Gleichgewicht kam ins Schwanken. Auf diesem Grund wurde im Jahre 1949 das gesamte
Gebiet um den Kis-Balaton sowie der südliche Plattensee zum Naturschutzgebiet erklärt. Die
Qualität des Plattensee verbesserte sich in Rekordzeit erheblich. Die Landschaft des
Plattensee ist den Gesteinen der Alpen sehr ähnlich und besteht aus mesozoischen Schichten.
Bevor die Alpen aufgestaucht wurden, wurde diese Krustensegmente nach Osten verschoben,
weshalb die Schichten ihren ursprünglichen Verbund bewahrt haben. So entstand der
Plattensee vermutlich durch eine Erosion vor mehr als 15.000 Jahren.
Naturschutz am Plattensee
Naturschutz wird am Platensee sehr groß geschrieben, den schließlich lebt die Gegend vom
Tourismus. In der Umgebung gibt es sehr viele seltene Pflanzen, Tiere und geologische
Formationen, die unter Naturschutz stehen und daher in den Nationalpark Balaton-Oberland
eingebunden wurden. Gegründet wurde der Nationalpark im Jahre 1997 und erstreckt sich
auf ein 56.000 Hektar großes Gebiet. Die Landschaft ist hier sehr vielfältig, was sich aus der
Zeit des aktiven Vulkanismus ergeben hat. Weltweit bekannt sind die Steinmeere des Kaler-
Beckens sowie die versteinerten Überreste des Pannonischen Meeres im Nationalpark. Im
Sumpfgebiet des Kleinen Plattensee befindet sich zudem ein Vogelreservat und ein
Büffelreservat. Seit mehr als 2000 Jahren ist die Sumpfwelt des Kleinen Plattensee ein
natürlicher biologischer Filter, der allerdings zu Anfang des 19. Jahrhunderts durch
Vertorfung und zahlreiche menschliche Eingriffe in Mitleidenschaft gezogen wurde. Viele
Teile des alten Plattensees verschwanden und das Sumpfgebiet verlor seine natürliche
Reinigungsfunktion. Mitte des 20. Jahrhunderts machte sich das sehr in der Qualität des
Plattensees deutlich, sodass es im Sommer 1966 zu einer Blaualgenblüte kam. Dies war der
Anstoß für umfangreiche Umweltgedanken und es entstanden Nationalparks und
Naturschutzgebiete. Heute ist das Gebiet rund um den Plattensee ein einmaliges Areal mit
einer kristallklaren Luft und einer umfangreichen Flora und Fauna. Mehr als 270 Vogelarten
sowie sehr streng geschützte Fisch-, Pflanzen- und Reptilienarten leben in dem moorigen
Feuchtbiotop. Der Kleine Plattensee wurde 1979 in die Ramsar-Konvention zum Schutz von
international bedeutenden Feuchtgebieten aufgenommen und darf nur in fachlicher Beleitung
betreten werden. Die Krähenburg-Insel sowie das Büffelreservat hingegen kann man frei
besuchen.
Wirtschaftliche Lage am Plattensee
Mehr als eine Million Touristen besuchen inzwischen jährlich die Region rund um den
Plattensee. Dabei machen die deutschen Touristen einen Anteil von ungefähr 50 Prozent aus.
Besonders der Plattensee profitiert vom Tourismus, weshalb dies mitunter der wichtigste
Wirtschaftsbereich in dieser Gegend ist. Neben dem Tourismus hat die Fischerei eine sehr
lange Tradition am Plattensee. Überwiegend setzen sich die Fischbestände aus Aal, Amur,
Blei, Güster, Hecht, Karpfen, Schleie und Welse zusammen. Sehr bekannt ist allerdings auch
der Balton-Zander, der nur hier zu finden ist und als Delikatesse gilt. Mehr als 50 Fischarten
gibt es im Plattensee, von denen 15 Arten von Berufsfischern gefangen werden. Sehr bekannt
ist der Plattensee auch wegen seinem Weinanbau, der ebenfalls eine sehr lange Tradition in
ganz Ungarn hat. Bereits im 3. Jahrhundert wurden hier weitläufig Weinpflanzungen
vorgenommen. Die Anbaugebiete rund um den Plattensee waren im 19. Jahrhundert sehr
schwer von der Reblauskatastrophe betroffen, in dessen Folge viele Weinberge an
Großstädter verkauft wurden. Heute gehören zu den bedeutendsten Weinbaugebieten
Balatinmellek, Badacsony, Balatonfüred, Balatonboglar und Balatonfelvidek. Auch die
Schifffahrt spielt am Plattensee eine bedeutende Rolle, denn neben regelmäßigen
Fährverbindungen gibt es auch viele Ausflugsfahren auf dem Plattensee. Durch den
ansteigenden Tourismus wurde die Schifffahrt auf dem Plattensee in den 190er Jahren immer
wichtiger. Durch den Ausbau der Eisenbahn entlang des Plattensees kamen immer mehr
Touristen in dieses Gebiet, weshalb der Fährverkehr entsprechend ausgebaut werden musste.
In dieser Zeit haben die meisten Orte einen Hafen eingerichtet, damit man von dort aus zu
Veranstaltungsfahren aufbrechen konnte oder einfach nur überfahren konnte. Bis heute gibt es
zwischen Tihanyrev am Nordwestufer und Szantod am Südostufer eine Autofähre, die ca.
zehn Minuten zum übersetzen benötigt.
Urlaub am Plattensee
Verbringt man seinen Urlaub am Plattensee kann man vielfältigen Freizeitgestaltungsmöglichkeiten nachgehen. Sehr beliebt ist hier der Angelsport, denn im Plattensee gibt sehr viele verschiedene Arten von Fischen, wie Karpfen, Hecht, Wels und Zandern. Außerhalb der Schonzeiten kann man hier überall fischen, sofern man über eine Angelkarte verfügt. Diese sind an Campingplatzen und in Anglergeschäften erhältlich und rund um den See gibt es viele Charterboote und Steege. Allerdings ist aufgrund der Klimaveränderungen der Fischbestand im Plattensee sehr zurück gegangen, weshalb auch die Berufsfischerei sehr darunter leidet. Viele Hobbyangler haben allerdings auch die Lust am Angeln im Plattensee verloren. Sehr beliebt ist allerdings der Segelsport am Plattensee, denn es stehen viele gut ausgestattete Häfen und Yachtclub für die Segler zur Verfügung. Durchschnittlich ist der See zwar nur drei bis vier Meter tief, allerdings sind hier im Sommer sehr viele Segelboote unterwegs. Jedoch gibt es bis heute nur recht wenig Segelschulen und wenig Möglichkeiten ein Segelboot zu leihen. Zwischen April und Mai sowie im September und Oktober wird der Plattensee zu einem Eldorado für Surfer. Im Hochsommer sind die Winde nicht so stark, sodass hier Surfanfänger voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Allerdings gibt es auch hier nur recht wenige Surfschulen und Verleihe. Neben Freizeitbeschäftigung rund um das Wasser ist auch der Fahrradtourismus am Plattensee sehr beliebt. Inzwischen wurden vielerorts die Radwege erneuert und ein umfangreiches Wegenetz um den See erbaut. So gibt es einen 200 Kilometer langen Radweg rund um den See und in vielen größeren Orten gibt es organisierte Radtouren inklusive einem Fahrrad- und Helmverleih.



