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News vom 22.06.2010

Römische „Autobahnraststätte“ gefunden

Ein Team von ungarischen und österreichischen Archäologen hat in Nemescso bei Szombathely im Westen von Ungarn ein römerzeitliches Äquivalent einer Autobahnraststätte gefunden. Der Gebäudekomplex stammt aus dem 2. Jahrhundert und beweist, dass die Römer ein sehr ausgeklügeltes Verkehrswesen besaßen. Im Rahmen des Bernsteinstraßenprojektes laufen die Forschungsarbeiten in Kooperation mit dem Österreichischen Archäologischen Institut und dem Savaria Museum in Szombathely. Der Gebäudekomplex in Nemescso ist mit einem großen und teilweise überdachten Innenhof sowie seitlichen turmartigen Erweiterungen ausgestattet. Die Experten gehen davon aus, dass die Station im späten 3. oder im 4. Jahrhundert aufgegeben wurde. Die sog. Bernsteinstraße gilt als der Beweis für das römische Verkehrswesen, dass an die damaligen Verhältnisse ausgezeichnet angepasst war. Der Fachsbereichsleiter am ÖAI, Stefan Groh, erklärt, dass es durchaus Parallelen zum heutigen Autobahnsystem gibt. Er erklärte: „Das Verkehrssystem hatte um diese Zeit eine Qualität, wie sie erst wieder im 19. Jahrhundert mit dem Postkutschenwesen erreicht wurde.“ Durch die Funde von Nemescso ergeben sich nun ganz neue Erkenntnisse über Infrastruktur der Bernsteinstraße. Bei der römischen Autobahn handelte es sich um eine sieben Meter breite, massiv geschotterte Hauptstraße. Von ihr aus gelangte man von der damaligen Nordgrenze des römischen Reiches bei Carnuntum bis zur oberen Adria. Zur damaligen Zeit war der Ochsenkarren das wichtigste Transportmittel für Lasten. Ein solcher Ochsenkarren hatte eine Spurbreite von rund 1,2 bis 1,4 Metern. Der Archäologe erklärt weiter „damit gab es immer eine Überholspur für schnellere Fuhrwerke.“ Damals schaffte ein Ochsenkarren im Durchschnitt elf bis 14 Kilometer pro Tag. Dann musste man die Ochsen oder eine Pause einlegen. Fußgänger schafften damals durchschnittlich die doppelte Entfernung und militärische Reiter kamen auf eine bis zu siebenfache Strecke täglich. Entsprechend der damaligen Verhältnisse in der römischen Zeit wurden alle zehn bis 14 Kilometer kleinere Stationen, wie die in Nemescso, errichten. Ferner erreichte man alle 20 bis 28 Kilometer einen größeren Ort und alle 50 bis 70 Kilometer eine städtische Siedlung. Somit konnten Fußgänger wie Reiter am Ende ihrer Tagesetappen eine Herberge finden und den Tieren eine Ruhe gönnen bzw. die austauschen.

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