Neusiedler See im Ungarn-Lexikon
Neben dem Plattensee ist der Neusiedler See ein sehr wichtiger Steppensee in Europa. Er
befindet sich nicht nur auf ungarischem Staatsgebiet, sondern teilweise auch auf
österreichischem Gebiet. Der Neusiedler See zeichnet sich durch einen Schilfgürtel, seine
geringe Tiefe und sein mildes Klima aus. In der Gegend befindet sich der Nationalpark
Neusiedler See-Seewinkel und der Nationalpark Fertö-Hansag. Beide Nationalparks wurden
von der UNESCO zum Welterbe ernannt. Vor mehr als 20 Millionen Jahren entstand durch
einen tektonischen Einbruch die pannonische Tiefebene, die vom Tethysmeer überflutet
wurde. Vor ungefähr 11 Millionen Jahren bildete sich im Pannonium ein salziger
Brachwassersee, dessen Salzgehalt zurück ging. Vor knapp 13.000 Jahren löste sich der
zurückweichende Donaugletscher, der das Sedimentbecken des Neusiedler Sees gestaltete.
Der See hat die Form eines Schuhlöffels und ist in mehrere Gebiete aufgeteilt. Das nördliche
Drittel nennt man Neusiedler Bucht, gefolgt von der Illmitzer Seeenge und im Süden der
Silbersee, der durch Schilf vom Rest des Sees getrennt ist. Je nach Wasserstand beträgt die
Seefläche gute 320 km², von denen 80km² in Ungarn liegen. Hierbei gibt es eine
Besonderheit, denn die Erdkrümmung beträgt zwischen Neusiedl am See und Mörbisch kanpp
9,6m, sodass man nicht von einem Seeende zum andere Seeende gucken kann. Der
Neusiedlersee ist von einem Schilfgürtel umgeben, der einen natürlichen Lebensraum für
viele einzigartige Tierarten bildet. Während zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur wenig Schilf
vorhanden war, wuchs der Schilfgürtel bis 1965 sehr stark an, was einerseits im Dünger der
Landwirtschaft und andererseits im Einser-Kanal begründet ist. Letzteres bewirkte eine
Ausdünnung des Salzgehaltes des Wasser, was die Verbreitung begünstigte. Da es so viel
Schilf gibt, gibt es viele professionelle Schilfschneider die das Schilf abholzen und
weiterverarbeiten. Im Bezirk Neusiedl am See gibt es viele Badeanlagen, von denen in
Ungarn Fertörakos liegt. Die restlichen Badegebiete befinden sich alle in Österreich.
Tourismus am Neusiedler See in Ungarn
Das Gebiet am Neusiedler See ist touristisch von großer Bedeutung, vor allem für das
Burgenland. In Westungarn spielt dieser See eher eine untergeordnete Rolle, denn der
Tourismus profitiert hier eher vom Nationalbad. Auf ungarischer Seite gibt es am Neusiedler
See nur ein einziges Seebad im Hafen von Fertörakos. Da dieses Gebiet früher für die
kommunistischen Kader reserviert war, war es bis 1989 für die Allgemeinheit nicht
zugänglich. Aufgrund des Falls des Eisernen Vorhangs wurde der See auf österreichischer
Seite überwiegend von Wienern besucht und gilt daher auch als Meer der Wiener. Da sich das
Urlaubverhalten der Österreicher sehr verändert hat, lebt der ungarische Teil heute vor allem
von den Tagestouristen, die hier vielen Sportarten nachgehen. Nur selten bleiben Sportler in
dieser Region länger als ein Wochenende. Allerdings wird die Region von vielen
österreichischen Schulen für Schulsportwochen genutzt, sodass das ungarische Gebiet so
touristisch am Leben gehalten werden kann. Zudem gibt es viele Campingplätze für
Dauerzelter oder auch für ein kurzzeitiges Zelten. Immer wieder steht jedoch der Sport am
Neusiedler See im Vordergrund, sodass der Fremdenverkehr überwiegend von
Veranstaltungen für Segeln, Surfen, Beachvolleyball, Inlineskaten, Reiten und Radfahren
profitiert. Es gibt einen Radrundkurs von insgesamt 135 Kilometern Länge, von denen 38
Kilometer durch Ungarn führen. Bekannt ist der Neusiedlersee jedoch auch durch seinen
Weinbau, wobei viel Wein direkt in zahlreichen Heurigenbetrieben verkauft wird. Inzwischen
haben die hier produzierten Weine ein Weltklasseniveau erreicht und erhalten
Spitzenbewertungen von renommierten Kritikern. Während früher die Fischerei am
Neusiedler See sehr gut lief, gibt es heute nur noch wenige Berufsfischer, die beliebte
Speisefische fangen. Mit etwas Glück können hier auch Touristen eine Anglerkarte lösen und
beachtliche Fische angeln.



